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Bericht Miniguide 3

 

 

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Erfahrungsbericht Miniguide

Getestet wurde die sog. Hardcase‑Ausführung des Miniguides, nachdem das Vor­gängermodell eingehend geprüft worden war.

Der Miniguide ist als ein sinnvolles und nützliches Hilfsmittel anzusehen. Es dient dazu, Hindernisse, die vom Langstock nicht oder noch nicht erfasst werden, anzuzei­gen und den blinden Benutzer vor diesen Hindernissen zu warnen. Dabei kann es sich um Hindernisse im Oberkörper‑ und Kopfbereich handeln, die vom Stock unter­laufen werden würden. Aber auch Hindernisse, die sich unmittelbar auf dem Weg befinden, können ‑ im Gegensatz zu manchen anderen Ultraschallorientierungshilfen ‑ detektiert werden. Allerdings kann der Miniguide den Langstock lediglich ergänzen, aber nicht ersetzen.

Das Gerät ist klein und handlich. Ein umständliches Umhängen oder Befestigen ist nicht erforderlich.

Da das Gerät in der Hand gehalten wird, ist ein gezieltes Abtasten der Umgebung möglich. Das ist zuweilen auch erforderlich, um Echos von Hindernissen ‑ insbeson­dere von solchen kleinen Hindernissen wie Pollern ‑ von diffusen Echos zu unter­scheiden. Es besteht die Gefahr, dass infolge der diffusen Echos die relevanten nicht ausreichend beachtet werden. Mit einiger Übung kann aber die Relevanz an der kontinuierlichen Pulsung der Vibration erkannt werden. Insbesondere bei der 4‑Meter‑Reichweite scheint es vorteilhaft, den Miniguide leicht aufwärts zu halten, um Echowirkungen des Bodens zu vermeiden.

Die Tatsache, dass der Miniguide in der Hand getragen wird, bringt allerdings auch den Nachteil mit sich, dass die Hand für das Tragen von Gepäckstücken nicht zur Verfügung steht; die andere Hand ist üblicherweise bereits durch den Stock in Anspruch genommen. Der Aufwand, den es bereitet, die Handschlaufe anzupassen, verleitet dazu, auf die Benutzung der Handschlaufe zu verzichten. Möglicherweise wäre ein elastisches Band praktikabler, das einfach übergestreift wird und dann das Gerät gegen Verlust sichert. Die Kappe, die zum Schutz der Sensoren dienen soll, wenn das Gerät nicht benutzt wird, scheint noch nicht die optimale Lösung zu sein; belässt man sie mit ihrem Karabinerhaken an der Handschlaufe, ist sie lästig, koppelt man sie ab, kann sie verloren gehen. Besser wäre ein Klappdeckel, der im geöffne­ten Zustand an der Seite des Miniguide anliegen könnte.

Die Anforderungen an die Konzentration der Aufmerksamkeit bei der Handhabung des Langstocks einerseits und des Miniguides andererseits sind nicht zu unterschät­zen. Die Zuwendung zu einer Wahrnehmung birgt ein beträchtliches Ablenkungspo­tential für andere Wahrnehmungen. So kann es geschehen, dass der Benutzer durch die Handhabung des Miniguides so in Anspruch genommen ist, dass andere Eindrücke ‑ z. B. die akustische Wahrnehmung der Verkehrssituation ‑ in den Hinter­grund gedrängt bzw. ausgeblendet wird (Ablenkung).

Das Programmierkonzept ist ‑ zumindest für die Grundfunktionalität ‑ verblüffend einfach. Die Bedienungsanleitung gibt hierzu und auch zu allen anderen Anwendun­gen anschaulich Auskunft.

 

Die Möglichkeit, 2 Vorzugsreichweiten festzulegen, wird als besonders praktisch empfunden. Es ist auf der Straße kein umständliches Programmieren erforderlich. Ich nutze die Option, bei der zwischen 4 und 2 m Reichweite umgeschaltet werden kann. Auf Bahnsteigen hat sich die Einstellung auf 2 m Reichweite gut bewährt, um anzu­zeigen, ob sich Personen im Weg befinden. An der Bushaltestelle gelingt das zuver­lässige Auffinden des Haltestellenschildes.

Mit der Hardcase-Version hat der Miniguide eine Erweiterung seiner Programme erfahren (eine 8‑m‑Reichweite und eine Funktion zum Finden von Durchgängen kamen dazu). Bei letzterer konnte allerdings kaum ein Unterschied zu den Funktio­nen mit gleicher Reichweite festgestellt werden. So werden die meisten Nutzer ver­mutlich auf die Grundfunktionen zurückgreifen, um sich nicht einer allzu komplizier­ten Programmierung auszusetzen.

Die ebenfalls neu implementierte akustische Signalisierung per Ohrhörer wurde nur kurz erprobt, da eine solche zusätzliche Inanspruchnahme des Gehörs für die meisten Nutzer wohl kaum in Frage kommt, um die Wahrnehmung der Verkehrssitu­ation nicht zusätzlich einzuschränken. Es fiel dabei aber auf, daß die Änderung des Pulstaktes in Abhängigkeit zur Entfernung akustisch präziser wahrgenommen wer­den kann als taktil. Es muß bei der erweiterten Funktionalität gefragt werden, ob die spürbare Verteuerung im Zusammenhang mit der Weiterentwicklung nicht zuletzt auf entbehrliche Funktionen zurückzuführen ist. Positiv ist in diesem Zusammenhang anzumerken, daß die äußerliche Gestaltung sich sehr vorteilhaft entwickelt hat; das Design des Vorgängers machte doch einen recht provisorischen Eindruck.

Der Miniguide wurde auch mit der Halterung am Langstock erprobt. Prinzipiell ist es möglich, ihn auf diese Weise zu benutzen; die andere Hand bleibt dadurch frei. Aller­dings ist bei den Erschütterungen, denen der Stock durch den Bodenkontakt ausge­setzt ist, die Vibration des Miniguide nur bedingt spürbar. Will man nicht die Signali­sierung per Ohrhörer nutzen, wäre ein Lautsprecher nützlich. Bei mehrteiligen Stöcken, wie sie meist verwendet werden, kann es geschehen, daß sich das Teil, an dem der Miniguide befestigt ist, durch das Gewicht des Gerätes verdreht, sodass die Richtung nicht mehr stimmt. Bei der Auswahl des Stockes sollte also darauf geachtet werden, daß am Griffteil selbst noch Platz für die Befestigungsschelle vorhanden ist. Insgesamt erscheint das Tragen des Miniguide in der Hand als die praktikablere Methode.

Zusammenfassung:

Der Miniguide hat sich in 2 Standardsituationen besonders bewährt.

Wenn zügiges Gehen bei gelegentlich zu befürchtenden Hindernissen abgesichert werden soll, kann er mit großer Reichweite eingesetzt werden. Ist die Verkehrssitua­tion derart turbulent, dass der Langstock nur unter dem Risiko der Beschädigung eingesetzt werden kann (viele Menschen auf der Straße oder auf dem Bahnhof), kann der Miniguide mit geringer Reichweite eine wertvolle Orientierungshilfe bieten, um insbesondere Kollisionen mit anderen Passanten zu vermeiden.

Die Stärke des Konzepts Miniguide ist der flexible Einsatz; das Hilfsmittel kann jeder­zeit bei Bedarf zur Hand genommen und auch wieder weggesteckt werden, wenn es nicht benötigt wird.

 

Lothar Rehdes

Berlin, im Februar 2006

 

Förderzentrum für Blinde und Sehbehinderte GmbH
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10787 Berlin
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Copyright © 2005 Hilfsmittel an- und Verkauf, Birgit Bergmann
Stand: 28. Mai 2006